Messestadt Leipzig: Johann Wolfgang von Goethe als junger Poet (1)

Johann Wolfgang von Goethes Studentenleben in Leipzig fällt in die Anfangsphase des „Sturm und Drangs“. Weltliterarisch begegnet man „Klein-Paris“ in Goethes Werken nicht allein in der Faustszene „Auerbachs Keller“, sondern auch in „Dichtung und Wahrheit“. Seiner Studentenliebe Käthchen Schönkopf entlehnte Goethe zudem einige Charakterzüge für das Gretchen im „Faust“, in seinem Buch „Die Leiden des jungen Werther“ verarbeitete er die unglückliche Liebe eines Leipziger Kommilitonen. Dauer des Genussspaziergangs: ca. ½ Stunde.

.Leipzig-Folge-Beiträge: Musenküsse aus Klein-Paris

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Goethe bei Gellert, Gottsched und Oeser

Goethe-Denkmal: Kopf Goethes als Student in Leipzig - am Naschmarkt Nähe Auerbachskeller

Johann Wolfgang von Goethe als Student in Leipzig

 

Als Johann Wolfgang von Goethe von Frankfurt am Main zum Jurastudium nach Leipzig aufbrach, teilte er die Kutsche mit einem Buchhändler, bei dem er anfangs unterkam.

„Die guten Studia, die ich studiere, machen mich auch manchmal dumm.“, schrieb der 16 jährige Goethe dann an seine Schwester Cornelie, denn mehr als die juristischen Kollegs fesselten den Halbwüchsigen die schöngeistigen Vorlesungen, die der gefeierte Gellert hielt.

Dessen Praktika schildert Goethe ausführlich in „Dichtung und Wahrheit“. (Christian Fürchtegott Gellerts Grab befindet sich heute auf dem Südfriedhof in Leipzig.) Auch dem berühmten Johann Christoph Gottsched, Professor für Poesie und Rhetorik an der Leipziger Universität, stattete Goethe einen neugierigen Besuch ab.

Bei Adam Friedrich Oeser setzte er seinen schon in Frankfurt begonnenen Zeichenunterricht fort und lernte dessen Tochter Friederike kennen. Oeser begeisterte den jungen Goethe für die Kunst der Antike.

Das Goethe-Denkmal: Jugendliebe Anettchen

Goethes Jugendliebe am Goethe-Denkmal in Leipzig

Goethes Jugendliebe am Goethe-Denkmal in Leipzig

Adam Friedrich Oeser war Direktor der Kunstakademie in Leipzig, Goethe ließ sich dort in die Lehren Winkelmanns einweihen. Dessen Tochter Friederike war eine der beiden Damen, die der Bildhauer Carl Seffner als Relief an seinem jugendlichen Denkmal am Naschmarkt hinter dem Alten Rathaus verewigte. Friederike war die Kluge und Anettchen (Käthchen Schönkopf) jene Schöne, welche ihm den Kopf verdreht hatte.

Goethes bester Freund in Leipzig, Ernst Wolfgang Behrisch, schrieb seine erste, noch erhaltene Gedichtsammlung, das Liederbuch „Anette“, nieder. Es ist das fast einzige literarische Zeugnis des jungen Goethe, der in jener Zeit noch an seinem Dichtertalent zweifelte und viele Arbeiten verbrannte.

Genau dort, wo einst die Fleischbänke am Naschmarkt standen, steht heute der Handelshof. Das wunderschöne Stadtpalais der Alten Handelsbörse aus der anklingenden Barockzeit diente als Versammlungshaus für die Leipziger Kaufmannsgilde. Der Name „Börse“ geht auf eine flämische Familie „van der Burse“ zurück, in deren Haus in Brügge sich die Kaufleute trafen.

Zechen im Auerbachs Keller

Auberbachs Keller - Restaurant-Schild am Eingang zur Mädlerpassage in Lepzig

Am Eingang zur Mädlerpassage in Leipzig – Auerbachs Keller

Als „Zeche lustiger Gesellen“ bezeichnet Goethe im ersten Teil seines „Faust“ das ehrwürdige Lokal und lässt jene Trunkenbolde dort eine fettbauchige Ratte besingen. Und dann kippt der vom „Klein-Paris“ lallende olle Frosch seinem Zechbruder auch noch ein Glas Wein über den Kopf… . Goethes Darstellung, die von seinem Studentenleben angeregt wurde und alles andere als ein biederes Aushängeschild für die Gaststätte sein kann, verhalf ihr dennoch zu Weltruhm. Keine Angst, sie macht ihrem Ruhm (auch ohne Goethes Zeilen) alle Ehre!

Goethe-Denkmal am Naschmarkt in Leipzig

Goethe blickt zur Universität, wendet seine Schritte jedoch in Richtung Auerbachs Keller

So schaut der junge Goethe (im Flair des Rokoko) auf dem Denkmalssockel am Naschmarkt zwar hinüber zur Universität, wendet seine Schritte aber lieber in Richtung Auerbachs Hofe, wo er mit seinen Freunden „von allen Menschen abgesondert“ zechte „und, ohne misanthropische Philosophen zu sein“, über die Leipziger lachte. Nach drei Jahren kehrte er schwer kränkelnd nach Frankfurt am Main heim. Ohne Doktorhut – zum großen Ärger seines Vaters.

Die verhexten Studenten

Mein Leipzig lob ich mir, es ist ein „Klein-Paris“ und bildet seine Leute…

Johann Wolfgang von Goethe

Neben dem Kaffeebaum ist der Auerbachs Keller Leipzigs berühmtestes Restaurant. Medizinprofessor Heinrich Stromer von Auerbach aus der Oberpfalz eröffnete im Jahre 1525 eine gut florierende Weinschänke und errichtete 1530-38 einen Durchgangshof mit zahlreichen Kaufgewölben. Der Auerbachs Keller ist der letzte Rest des alten Handelshauses, das 1912-14 der Mädlerpassage weichen musste.

Skulpturen am Eingang zum Auerbachskeller in Leipzig: Die verhexten Studenten aus Goethes Faust

Die verhexten Studenten am Eingang zum Auerbachs Keller

Hier lacht man über den „Frosch“ aus der Szene „Auerbachskeller“ in Goethes Faust. Seine urheberrechtlich unbedenklichen Sprüche von „Klein-Paris“ nutzen die Leipziger aber dennoch gerne als Werbeslogan. In der Zauberküche Mephistos schenkt man Ihnen auch heute noch „Champagnerwein“ und „Rheinwein“ ein. Allerdings werden sie nicht aus einem unversiegbaren Quell gezapft, den Wunderlöchern, die Mephisto im „Faust“ in den Tischrand bohrt…

Am Eingang in der Mädlerpassage empfangen Sie die von ihm verhexten Studenten in Form von Bronzeplastiken (1913) des Bildhauers Mathieu Molitor. In dem noch erhaltenen Fasskeller aus dem Jahre 1538 ist der sagenumwobene Fassritt des Wunderarztes Dr. Faust während seines Messebesuches 1525 als Holzplastik dargestellt, die Wandgemälde rundherum erzählen Szenen aus dem „Faust“.

Literarisches am Marktplatz

Arkaden am Alten Rathaus in Leipzig

Rathausarkaden in Leipzig

Auch der Marktplatz kann literarische Geschichten erzählen. Am 27. August 1824 versammelte sich dort eine vielköpfige Menge um ein hochaufragendes Schafott, als Johann Christian Woyzeck, gelernter Perückenmacher und napoleonischer Soldat, hingerichtet wurde. Georg Büchner verarbeitete diesen Stoff in seinem Drama „Woyzeck“.

Messingschuh von der Fausskulptur am Eingang Auerbachskeller Leipzig

„Fausts“ Bronzefuß am Eingang zum Auerbachs Keller

Im Mittelalter spielte sich das Messetreiben hauptsächlich auf dem Markt ab. Turbantragende Fremde trommelten mit exotischem Zauber die Kauf- und Probierlustigen vieler Nationen und Stände heran. Da tummelten sich auch Jahrmarktsgaukler, Marktschreier und Seiltänzer – das ganze fahrende Volk. Das Feilschen begann erst dann, wenn die Rathausturmglocke das Signal gab – in Anlehnung an kirchliche Traditionen.

Vorschau: Der nächste  Beitrag der Leipzig-Folge führt Sie auf den Spuren Johann Sebastian Bachs und Richard Wagners durch die Messestadt.

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