Istrien: Über die Euphrasius-Basilika in Poreč (7)

Im antiken Fischerhafen auf der kleinen Landzunge an der adriatischen Küste, wo sich heute die Altstadt von Poreč ausbreitet, mag einst der alte Mosaikmeister verweilt und auf das purpurne Meer geschaut haben. Vielleicht ließ er sich dabei auch zu dem wertvollen Fischmosaik inspirieren, das im Lapidarium des Bischofpalastes der Euphrasius-Basilika aufbewahrt wird. In dem altertümlichen Städtchen auf der Halbinsel Istrien fällt es nicht schwer, sich in urchristliche Zeiten zurückzuversetzen.

Jesus Christus, der Retter

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Dann schweift der Blick über die bezaubernde venezianische Stadt…

Der Fisch gilt als das häufigste Symbol aus der Zeit der Christenverfolgung. Fisch bedeutet im Griechischen ICHTYS, und die Buchstaben dieses Wortes bedeuten für die Christen: Jesus Christus Then Yos Soter, das heißt Jesus Christus Gottes Sohn Retter.

Schaut man von dem rund 1000 Jahre jüngeren Glockenturm über das prächtige oktogonale Ziegeldach des Baptisteriums und den Atriumshof  der Euphrasius-Basilika hinweg, dann erblickt man ein schönes Mosaik an der Kirchenfront: die vier Heiligen und die sieben Leuchter aus der Apokalypse. Und dann schweift der Blick über die bezaubernde venezianische Stadt mit ihren nach mediterranen Speisen duftenden Gassen.

Zeiten ändern sich

Sonnenuntergang an der Adria in Kroatien

Die Mosaiken in der Euphrasius-Basilika schillern golden wir die Abendsonne der Adria.

So wie das Christentum im Mittelalter seine Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannte, wurden einst die Christen wegen ihres Monotheismuses und des Predigens von gleicher Würde aller Menschen durch den politheistischen Sklavenhalterstaat Roms verfolgt. Die Euphrasius-Basilika in Poreč ist ein einzigartiges Zeugnis aus jener frühchristlichen Zeit. Noch heute erstrahlt sie in unbeschreiblicher Schönheit, wenn chorale Gesänge feierlich an ihren Säulen herabfließen.

Die ersten Botschaften von Christus erreichten das antike Parentium schon gegen Ende des 1. Jahrhunderts. Sie kamen samt etruskischer, venezianischer und anderer Produkte auf den altertümlichen Handelswegen nach Istrien. Erst als Kaiser Konstantin der Große im Jahre 313 mit dem Mailänder Edikt  den Christen die Freiheit gab, konnte die damalige geheime Kirche öffentlich werden.

In Poreč finden wir noch die Mauerüberreste der ursprünglich verbotenen Kirche aus der Zeit der Verbannung – den Speisesaal eines römischen Privathauses. Die zwei historischen Schichten der frühchristlichen Taufkapelle aus der Zeit der Verfolgung im nordöstlichen Teil des Oratoriums Maurus sind überaus wertvoll.

Dort berichtet uns eine lateinische Inschrift auf einem weißem Kalkstein-Fragment des Sarkophages des Märtyrers Maurus aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts: „Mit Ehren wurde er hierher gebracht, wo er Bischof und Märtyrer wurde. Deswegen soll sich die Ehre der Stätte verdoppeln“.

So erneuerte man das ursprüngliche Gotteshaus und verwandelte es in eine Basilika mit prachtvollen Bodenmosaiken. Eines der beliebtesten frühchristlichen Motive, der Kantharos mit einem knospensprießenden Zweig ist besonders schön anzusehen.

Frühchristliches Weltkulturerbe

Istrien, Kroatien, Reste einer frühchristlichen Kirche in Nesactium

Auch Nesactium liegt in Istrien Bergen: Frühchristliche Kirchenreste in Nesactium

Im Laufe des 5. Jahrhunderts hatte das Christentum enormen Zulauf. Zu der bereits bestehenden Kirche baute man eine größere, die sogenannte Vor-Euphrasius-Basilika, sodass in Poreč das für jene Zeit typische System der zweifachen Kathedralen entstand. Wir finden es auch in dem sagenumwobenen Ausgrabungsort Nesactium auf Istrien, dessen Mauern im Frühjahr von dem süßen Duft einer üppigen Kleeblumenwiese umweht werden.

Im 6. Jahrhundert, als Kaiser Justinian in Konstantinopel die Hagia Sophia erbaute, bestieg Euphrasius den Bischofsthron in Poreč. Der reiche und mit Justinian verbundene Bischof war motiviert genug, „das baufällige Gebäude niederzureißen, um an seiner Stelle ein stattlicheres zu erbauen“. Und so entstand eines der wertvollsten, spätantiken Denkmäler am Mittelmeer.

Der Marmor für die handwerklich perfektionierten Kapitelle wurde aus dem Steinbruch Prokonesos von der Küste des Marmarameeres herbeigeholt und in Poreč filigran herausgearbeitet. Dabei wurde auf jedes Impostum pedantisch das Monogramm des Bestellers Eurphrasius eingraviert. Man geht davon aus, dass der Bischof die Baustelle selbst beaufsichtigte.

Die dreischiffige Basilika mit ihren schillernden Mosaiken und farbenfrohen Stuckaturen ließ er durch das elegante Atrium mit dem gegenüberliegenden achteckigen Baptisterium verbinden. Sie gilt heute als das einzige authentische Beispiel eines gesamten Systems frühchristlicher und frühbyzantinischer Architektur auf der Welt. 1997 wurde sie in das UNESCO-Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen.

Fortsetzung: siehe oben

 

 

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