Maigesang - Beethovens Vertonung von Goethes 'Maifest'

Selten war der Frühling sonnig und warm wie in diesem Jahr. In der Tat ist Goethes „Maifest“ die wahre Versinnbildlichung der Wonnigkeit, welche man hierzulande erleben konnte. Ebenso lassen sich anhand Beethovens „Maigesang“ die musikästhetischen Auseinandersetzungen zwischen dem Dichter und dem Komponisten nachvollziehen. Feinnuancierte Gefühlswelten wollte Beethoven auch in seiner Musik widerspiegeln, während Goethe seine Lyrik alllein schon als Musik betrachtete und mehr der tonschöpferischen Untermalung des Strophenliedes zugeneigt war. Im Rahmen unserer Online-Events haben wir den Beitrag mit erlesenen Kunstbildern aus aller Welt illustriert.

 

Hommage an Ludwig van Beethoven und Johann Wolfgang Goethe

 

In seinem "Mailied" verschmilzt der junge Goethe seine Liebesgefühle mit der Natur

In seinem „Mailied“ verbindet der junge Goethe seine Liebesgefühle mit der Natur

 

Maigesang (Op. 52 Nr. 4)

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 

Anna Vassiliou 1, Cyprus, Untitled 1, 2017, Monotype, 14 x 14 cm

Anna Vassiliou 1, Cyprus, Untitled 1,
2017, Monotype, 14 x 14 cm

Wie herrlich leuchtet mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen aus dem Gesträuch
Und Freud‘ und Wonne aus jeder Brust.
O Erd‘!, o Sonne!, o Glück!, o Lust!

O Lieb‘!, o Liebe! so goldenschön
Wie Morgenwolken auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich das frische Feld,
Im Blütendampfe die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen, wie lieb‘ ich dich!
Wie blickt dein Auge! Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche Gesang und Luft
Und Morgenblumen den Himmelsduft
Wie ich dich liebe mit warmen Blut,
Die du mir Jugend und Freud und Mut
Zu neuen Liedern und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich, wie du mich liebst!

 

Masha Orlovich 2, Israel, Olive Tree (Autumn), 2017, Etching, Collagraph, 12 x 14 cm

Masha Orlovich 2, Israel, Olive Tree (Autumn), 2017, Etching, Collagraph, 12 x 14 cm

Ob es sich um Goethes Gedicht „Maifest“ (auch „Mailied“) oder um Beethovens „Maigesang“ handelt, erkennt man vor allem an der Strophenzahl. Entspechend seiner musikalischen Interpretation hatte der Komponist die urspünglich neun Strophen des Gedichtes nämlich in drei Teile zusammengefasst. In ihrer Kürze kann man die Strophen von Johann Wolfgang Goethe auch mit der japanischen Haiku-Lyrik vergleichen, wobei die zweite Strophe als Beispiel dienen soll. Sie hat kaum mehr Silben als ein Haiku:

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch.

Tatsächlich lässt sich Goethes neunstrophiges „Mailied“ in drei Themen gliedern:

Insbesondere die ersten drei Strophen reihen es in seine berühmten Naturgedichte ein. Kaum ein Autor hatte das Naturverständnis im Zuge des „Sturm und Drangs“ so revolutioniert. Im „Mailied“ erfahrt das lyrische Subjekt quasi stellvertretend für die Menschheit eine überschwängliche Faszination.

Sandra Mayo 1, USA, Solitud, 2016, Monotype, 18 x 18 cm

Sandra Mayo 1, USA, Solitud, 2016,
Monotype, 18 x 18 cm

Der zweite Teil ist durchdrungen von euphorischen Liebesgefühlen, die mit der Natur verschmelzen. Quasi wird die Natur in wonniger Ekstase mit den Augen der Liebe betrachtet. Gleich dem Haiku bedient sich der Dichter poetischer Kunstgriffe wie dem Parallelismus, Hyperbeln, dem Auslassen von Prädikaten und Ellipsen.

Den Liebesrausch im dritten Teil wirft die Literaturkritik dem Dichter zuweilen als Liebesabenteuer vor. Goethes damalige Liebe sei nur von kurzer heftiger Leidenschaft gewesen, angeblich hat er sie nur zum Dichten dieser wunderschönen Zeilen bzw. als Inspirationsquelle gebraucht. Dabei war der Straßbourger Student doch gerade einmal 22 Jahre jung! (Die Pastorentochter Frederike Brion soll einsam mit ihren Gefühlen alt geworden sein.) Auf jeden Fall hatte sich diese Liebe positiv auf seine Entwicklung hin zum Dichterfürsten ausgewirkt.

Bitte lesen Sie das Gedicht mehrmals und fühlen Sie einmal in den Geist des Dichters hinein! Bereits das wiederholte Rezitieren eines Gedichtes kann laut Goethe zur Komposition hinführen. Die Musik soll mit der Literatur nicht rivalisieren, sondern lediglich die Sprachmelodie veredeln.

Das durchkomponierte Kunstlied Beethovens dagegen schmiegt sich dem Fluss der Gedanken und dem Wechsel der Empfindungen an, es bringt die Sprachmelodie noch deutlicher zum Klingen. Die Steigerungsbewegung in jeder Liedstrophe Beethovens korresponiert mit der sog. Klimax in seiner Gesamtkomposition. Diese ebenbürtige Ausdrucksweise in Form eines Parallelkunstwerkes stieß bei Goethe allerdings nicht auf Zustimmung.

 

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